Monatsspruch August

Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!

2. Könige 19, 16

Imperativ! Befehlsform! Ich fordere! Nicht von irgendwem, ich fordere von Gott! Fordere seine volle Aufmerksamkeit ein, den Blick nicht auf das große Ganze, sondern auf meine Person, auf mich! Das fühlt sich komisch an, zumindest ungewohnt. Ich bin doch nur ein kleiner Mensch, ein von Gottes Gnade Abhängiger. Darf ich mich erdreisten, Forderungen an Gott zu stellen? Laut unserem Monatsspruch darf ich das! Der Spruch ist ein Extrakt aus einem Gebet, das König Hiskija betet. Es geht um das Abwenden von Unheil, von Krieg. Aber das ist es gar nicht, was in unsere Wirklichkeit hineinragt.

Für mich ist es vielmehr der Vorgang, das Gebet zu einem Gespräch, zu einem Dialog zu machen. Ein Gebet ist keine Einbahnstraße. Ich sage nicht einfach nur Worte, die ungehört verhallen. Der Monatsspruch legt nahe, dass wir die Aufmerksamkeit unseres Gebetspartners, unseres Gesprächspartners Gott auf uns lenken dürfen, können und sollen. Denn wenn ich mit Gott reden kann und als Individuum wahrgenommen werde, wenn ich die volle Aufmerksamkeit einfordern kann, dann kann ich mich auch wahr- und ernstgenommen fühlen. Das gibt Vertrauen und baut in Folge Selbstvertrauen auf. Und mit diesem Selbstvertrauen wiederum kann ich mich in der Welt bewegen – in meiner Wirklichkeit – und mich dort zurechtfinden. Bei all den kleinen Kämpfen im Leben mit gestärktem Selbst-Vertrauen das Leben besser meistern. Formulieren muss ich hingegen selbst. Damit ich gehört werden kann, muss ich überhaupt erst sprechen. Muss meine Situation bewerten und für mich selbst das Wort ergreifen.

Sind wir ehrlich: Wer hat nicht von Zeit zu Zeit eine Unterstützung nötig? Wer wünscht sich nicht in kniffligen Situationen Hilfe herbei, einen Partner, der einen mit voller Aufmerksamkeit in dem anliegenden Problem unterstützt? Höre mir zu, um meine Sorgen zu verstehen, und sieh hin, um die Möglichkeiten zu erkennen!

Wenn Hilfe geleistet wird, ohne meine Sorgen gehört und die Umgebung gesehen zu haben, dann geht die Hilfe an meinen Bedürfnissen vorbei, dann nützt sie mir nichts, kann sogar schädlich sein. Auch das gibt es. Ein Helfersyndrom, das nicht hilft, sondern als Hilfe missverstandene Handlungen aufzwingt. Das macht unfrei und unglücklich. Wenn ich aber sogar Gott auffordern kann, mich zu hören, und seine Augen auf meine Situation zu richten: Das befreit!

 

Ihr Kirchengemeinderat Lars Eifler

 

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