Monatsspruch März

"Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

(Lukas 19.40)

Wir leben in wirklich merkwürdigen Zeiten, in denen ein kleines Virus uns in Atem hält und unser gemeinsames Singen immer noch gefährlich sein lässt.

Dass den Jüngern Jesu, das Lob unmöglich wurde, das gab es zuzeiten immer wieder. So z.B. nach dem Einzug Jesu in Jerusalem: Da fingen die Jünger an, „mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten: ‚Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!‘ Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Jesus antwortete: ‚Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.‘“

Wir dürfen noch nicht wieder singen. Aber hören wir stattdessen die Steine schreien? Die Steine unserer Ansgar-Kirche? Ja, ich höre die Steine: Ich höre die Steine singen: Verklungene Choräle und Musiken der Kantorei. Ich höre Fragen: Wo ist Gott gegenwärtig? In dieser Kirche, im Abendmahlsbrot, in der Gemeinschaft? Ich höre Klagegesänge: Aus Kriegszeiten der ersten Jahre der Ansgar-Kirche; höre stumme Stein-Gesänge und Sätze von Hungersnöten und aus der Kirche heraus verteiltem Brot, höre ungesungene Gesänge aus jetziger Pandemie-Zeit…

Aber ich höre auch Lobgesänge. Ich höre von den Steinen dieser Kirche den Widerhall von Freudenklängen. Gesungen von hier auf vielerlei Arten gesegneten Menschen: Von Getauften, Konfirmierten, Brautpaaren, Getrösteten, Glaubensfindern, Vertrauenlernenden…

Und dann höre ich auch noch: Den Klang der Stille. Gebete klingen noch nach hier im Raum: Rufe zu Gott aus Einsamkeit und Angst, Bitten für Kranke und Sterbende. Und Dank für das, was uns geschenkt ist, für Leib und Leben von Gott und in unserem so gut organisierten Land. Dankbarkeit für Menschen, die uns nahe sind, trotz Abstand, und ich höre das Lob Gottes über die Kraft und Schönheit eines trotz und mit allem wunderbaren Frühlings.

Und zu guter letzt höre ich den Tauf-Stein sagen, zu jede und jedem von uns: „Du bist meine geliebte Tochter, Du bist mein geliebter Sohn. So wie Du bist, bist Du gut.“ Er sagt das behutsam, Liebesworte kann man nur raunen, nicht schreien.

 

Pastor Tobias Götting

 

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