Monatsspruch März

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.

1. Sam. 7.3

Der Zusammenhang, in dem dieser Vers steht, ist problematisch. Das Volk Israel soll sich wieder und allein zu seinem Gott bekennen, und „schwupps“ wird es siegreich sein können gegen die damals so mächtigen Philister.

Ehrlich gesagt: Ich mag die Verknüpfung von Glauben und Siegen nicht. Mein Glaube ist kein Sieg, sondern eine Haltung. Ein Vertrauen in und trotz aller Niederlagen auch, ein Sich-in-Gottes-Arme-Werfen, eine Gegen-an-Hoffnung.

Aber was ich mag an dem Monatsspruch, das ist, dass er vom Glauben als einer Herzensangelegenheit spricht und dass er das alte Wort „dienen“ gebraucht. Mein Leben darf ein Gottes-Dienst sein, am Sonntag im Singen und Beten, im Schweigen und Hören und auch an all‘ den anderen Tagen. Ich bin – wie jedes Gotteskind – gewürdigt, Gottes Mitarbeiter zu sein. Indem ich mich Anderen zuwende und auch achtsam mit mir selbst bleibe, ehre ich ihn und diene ich ihm.

Aber natürlich weiß ich auch: Das Dienen hat unter uns keinen guten Klang. Als ich in einer Sitzung einer diakonischen Einrichtung das Wort Diakonie mit „Dienen“ übersetze, was sprachlich wohl kaum zu kritisieren ist, bricht es aus einer Teilnehmerin nur so heraus. „Immer dieses Dienen!“ Für sie klang es nach Ausbeutung, Überforderung. Und hatte sich in der Pflege schon den Rücken krumm gedient. Das soll nicht das Ergebnis des Dienens sein, nein!

Es gibt aber offenbar eine große Sehnsucht bei uns nach Menschen, die tun, was zu tun ist, ohne Berechnung. Ohne die Frage, was dabei für sie selber herausspringt, ob es sich rechnet und „lohnt“. Als Vorbilder werden Menschen genannt und gesehen, die ihr Leben dem Glück Anderer widmen. Mutter Theresa, Frère Roger, … jedem fallen da Namen und konkrete Personen ein…

Jesus sagt: „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Matthäus 20) Ich möchte in der Nachfolge Jesu leben und Anderen dienlich sein. Aber ich möchte das nicht, um „groß“ zu sein, wie Jesus sagt, oder um „der erste zu sein“. Ich möchte, dass mein Dienst in der Nachfolge Jesu geschieht, und nicht, um nach hiesigen Maßstäben irgendwas oder irgendwer zu werden, es sei denn einer, der Gott lobt mit Herzen, Mund und Händen.

 

Pastor Tobias Götting

 

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