Monatsspruch Mai

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!

1.Petr 4,10

Ich bin ehrlich: Bei der Recherche zu diesem Spruch habe ich den Kontext gelesen und bin ob der moralin-schwangeren Wortwahl Petrus‘ erst mal zurückgeschreckt. Die Worte, die Petrus spricht, erscheinen mir sehr dozierend, zu sehr bedacht darauf, den guten braven Christen zu formen und abzuheben von dessen vorigem heidnischen Leben. Das passt nicht wirklich auf meine eigene Lebenssituation.

Dennoch hat mich der Monatsspruch angesprochen, als ich ihn zum ersten Mal las - isoliert, für sich stehend. Und das aus dem Grunde, dass in dem altmodisch anmutenden Text moderne und für mein Leben sehr wohl anwendbare Gedanken formuliert sind.

„Dienet einander“, eine heutzutage etwas befremdlich anmutende Aufforderung, weil negativ konnotiert: als selbstbewusster, selbstständiger Mensch möchte ich doch nicht mehr abhängig sein, jemandes „Untertan“ sein, sondern frei! Aber das andere Extrem ist leider auch häufig zu finden: Viele verwechseln Freiheit mit Egoismus. Ihnen fehlt es an der Umsicht, sich einer lebensspendenden Gemeinschaft einordnen zu können. Unser (Über-) Leben ist schließlich nur zusammen möglich, und eine Gemeinschaft muss gepflegt, gelebt werden. Das „Dienet einander“ ist hier also der formende Gedanke, eine starke Gemeinschaft zu bilden.

Und wenn wir dieses „als gute Verwalter“ tun, so ist uns die Aufgabe dazu übergeben worden - uns ist das Vertrauen ausgesprochen. Petrus traut uns zu, dass wir mit der „vielfältigen Gnade Gottes“ umgehen können, diese leben und „verwalten“ können, sprich: sie nutzbringend in die Gesellschaft einbringen können. Jeder hat eine Gabe, die er einbringen kann; eine Fähigkeit, die er sich zueigen machen kann. Und kombiniert soll daraus ein gutes Zusammen-Leben entstehen, in einer funktionierenden Gemeinschaft.

Jeder bringt was ein. Das heißt auch: Es gibt keine Isolation. Weder Einzelne noch Gruppen sind in dieser Gemeinschaft ausgeschlossen. Ich lese in den alten Worten auch den höchst aktuellen Inklusionsgedanken.

Petrus formt mit seinen Worten die junge Gemeinde. Und ich meine, die Worte des Monatsspruches sind auch für unsere Gemeinschaft noch immer - und gerade jetzt, wo Solidarität mehr denn je zählt - hochaktuell!

Ihr Kirchengemeinderat Lars Eifler

 

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