Monatsspruch Juni

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder

1.Könige, 8.39

Da meint man, den Freund, die Schwester, das eigene Kind in- und auswendig zu kennen. Und wird doch so oft überrascht. Das gilt im Negativen, wenn man große Enttäuschungen erlebt: Ein Mensch, von dem man dachte, er würde in der Not helfen, unterstützen, da sein – er meldet sich nicht mehr, taucht ab. Oder man entdeckt am Kollegen, mit dem man so gut zusammenarbeitet, Herzlosigkeit und Kälte der Not Anderer gegenüber.

Aber auch im Guten gibt es solche Überraschungen: Die entfernte Freundin, die man immer für oberflächlich hielt, engagiert sich für den Weißen Ring. Der immer leicht gelangweilt wirkende Mann einer Freundin kommt spontan vorbei, um das WLAN einzurichten. Der stets etwas mürrische Vater hält eine herzergreifende Rede zum runden Geburtstag des Sohnes.

Wir werden überrascht von Anderen, weil wir nur das Äußere sehen. Und wir sehen durch unsere „eigene Brille“, geprägt von Erfahrungen, Meinungen, Vorbehalten. Gott hingegen sieht auch das, was jeden im Innersten bewegt und motiviert. So weiß er: Die vermeintlich oberflächliche Freundin, der desinteressierte Mann, der griesgrämige Vater – sie haben ihre Gründe. Vielleicht Kränkungen aus der Kindheit, vielleicht haben sie schmerzliche Erfahrungen damit gemacht, ihre zugewandte, herzliche Seite zu zeigen. Es gibt eine Ursache für ihr Verhalten, es mag sein, dass sie ihnen gar nicht bewusst ist. Wohl jeder hat eine Seite an sich, die er nicht gerne zeigt, lieber verborgen hält.

Wie tröstlich ist da dieser Monatsspruch, bedeutet er doch, dass Gott uns kennt, vielleicht besser als wir selbst. Ihm können wir nichts vormachen. Das Gute ist: Das müssen wir auch nicht. Er liebt uns so, wie wir sind. Was für eine schöne Gewissheit!

Kirchengemeinderätin Martina Ahlenstiel

 

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