Monatsspruch April

Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

Joh. 20,18

Maria geht, so erzählt es Johannes, am Ostermorgen als erste und allein zum Grab: Ihr Leben, sie selber, auf den Kopf gestellt, alles anders. Alles fremd. Das macht Angst. Und sie weint, weint um ihn, weint um das Leben, das sie verlor, weil sie ihn verlor. Trauer ist egoistisch, und deshalb so ehrlich.

Und dort am Grab sieht sie nichts, keinen Leichnam, gar nichts, alles ihr genommen. Das ist Trauer, man sieht nichts mehr; sieht nicht mehr, wie es weiter gehen könnte.

Und dann, so heißt es, steht dort Jesus, aber sie erkennt ihn nicht. Kann sie auch nicht, ein Leben „mit ihm ohne ihn“ kann sie nicht erkennen, denn sie kennt es noch nicht.

Und hört ihren Namen: Maria! Und spürt: Ich bin gemeint. Ja, so wie sie sich einst von Jesus gemeint wusste, spürt sie, lernt sie, dass bleibend sie gemeint ist: „ Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Das gilt, auch wenn der, der es sprach, nicht mehr lebt. Und eben darin doch lebt, dass er Maria spüren lässt: Du bist gemeint! Dass er uns spüren lässt: Wir sind gemeint.

Maria versteht, und antwortet, sie begreift, ohne begreifen zu können: Rühre mich nicht an, sagt Jesus, oder anders: Be-greife mich nicht. Man kann vieles nicht begreifen, das Leben oft nicht, die Liebe nicht, den Tod nicht. Aber man kann den Sprung in das Vertrauen wagen, wenn man sich angesprochen weiß: Maria!

Und antworten kann, auch wenn man nicht begreift, und dann losgeht: Und Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

Vielleicht ist eben auch das Ostern: Ich begreife nicht das Leben, nicht die Liebe, nicht den Tod, aber ich weiß, da ist einer, der mich meint: Ich bin gemeint und ich antworte Gott und wage daraufhin mein Leben. Trotz allem. Trotz aller Unsicherheit, trotz des Todes. Und gehe zu denen, zu denen ich gehöre, und sage, was ich erlebe und was mich bewegt.

Selbst wenn ich es nicht be-greifen kann.

 

Pastor H. Martens

 

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