Monatsspruch Februar

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

Gal 5, 1

Wiewohl von allen Menschen ersehnt, scheint die Freiheit ein schwierig Gut zu sein. Wäre dem nicht so, bedürfte es wohl keiner Ermahnungen, sie nur ja nicht wieder preiszugeben.

Wohl wahr: Freiheit ist anstrengend, sie bedeutet in hohem Maße Verantwortung für das eigene Leben und verwehrt, sich entlastend ins „Man“ zu flüchten, verlangt aber den Mut, „Ich“ zu sagen. Ist Freiheit willentlich eine Wahl zu treffen (wenn denn das überhaupt geht und nicht nur eine Illusion ist, wie einige Hirnforscher behaupten), dann nötigt die Freiheit, Entscheidungen selber zu fällen statt sie von anderen fällen zu lassen oder nur gewohnheitsmäßig zu handhaben.

Ist nun Freiheit Freiheit von etwas, so ist die Gefahr, sich das Joch der Knechtschaft wieder auflegen zu lassen, sicher je geringer desto eindeutiger diese Knechtschaft zuvor negativ qualifiziert war. Aber was ist schon eindeutig? Kaum der Knechtschaft Ägyptens entronnen, murrt das Volk in der Wüste wider Mose und verklärt die Vergangenheit der Sklaverei zur Sause an ägyptischen Fleischtöpfen. So anstrengend ist Freiheit!

Dem Apostel Paulus geht es in dem Zusammenhang unseres Verses um die Freiheit vom Gesetz, Freiheit von jenen Geboten also, zu denen auch die berühmten 10 gehören. Diese Freiheit ist anstrengend, denn Gebote bedeuten nicht nur Verurteilung und Abstrafung, wenn man ihnen nicht entspricht, sondern sie sind auch Orientierung und Stütze und suggerieren: Wenn du dich an sie hältst, dann führst du ein ordentliches Leben – und es wird gut werden. Diese Sicherheit, die die Gebote vermitteln, ist eine verführerische – und eine illusionäre. Sie winkt mit Belohnungsversprechen an gelungene Anpassungsleistungen in diesem Leben – aber sie verschweigt, dass gelungene Anpassung oft nur um den Preis eines erfüllten Lebens erkauft wird: Denn Liebe kann man sich nicht „verdienen“, Sehnsucht nicht „abarbeiten“, vor Schmerz sich nicht schützen.

Natürlich gibt es im Leben sinnvolle „Spielregeln“ (wie die 10 Gebote), aber zu meinen, mittels ihrer Befolgung werde Leben sich erfüllen, ist fatal, aber genau das, was Menschen immer wieder versuchen, und – wenn es nicht hilft – mit immer mehr desselben versuchen: Anpassung, Leistung, Verzicht, Streitvermeidung.Es ist bei uns Erwachsenen oft nicht anders als bei den Kindern, die wieder „lieb“ sein wollen, um die Liebe der Eltern zurückzugewinnen, um den Preis aber, auf das verzichten zu müssen, was sie eigentlich wollten. Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Ja, aber ich bin nicht sicher, ob wir sie je werden ertragen können.

 

Ihr Pastor H. Martens

 

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