Monatsspruch Oktober

Nach deinem Vermögen gib Almosen; auch wenn du nur wenig hast, scheue dich nicht, wenig Almosen zu geben.

Tob. 4,8

Der Vers steht in einer Rede des Tobit an seinen Sohn Tobias, der sich auf eine längere Reise vorbereitet. Bevor sich der Sohn auf den Weg macht, um ein Heilmittel für seinen erblindeten Vater zu suchen, erinnert der Vater den Sohn an wichtige Lebensregeln, deren Befolgen die Hoffnung auf den Segen Gottes begründen.

Diese Ansprache des Tobit an seinen Sohn Tobias klingt für mich wie ein Testament. Aber es ist kein Testament, das dem Sohn irdischen Reichtum überträgt, sondern eines, das Lebensüberzeugungen an die nächste Generation weitergibt. So trägt Tobit seinem Sohn auf, für die Mutter zu sorgen, wenn er bei seiner Rückkehr gestorben sein sollte. Sich den Menschen zuwenden, die seiner Unterstützung bedürfen – das ist die Liebesaufgabe, so sagt der Vater.

Konkrete Haltungen, Einstellungen, denen Taten folgen, erwartet der Vater von seinem Sohn: Er möge immerzu seine Mitmenschen im Blick haben – und vor allem: er möge stets barmherzig sein, den Armen und Bedürftigen zugewandt, freigiebig im Teilen. Diese Weisheit gilt unabhängig von seinen Lebensverhältnissen.

Tobit stellt damit einen direkten Zusammenhang her zwischen der Liebe Gottes zu dem Menschen und der Liebe des Menschen zu anderen Menschen. Er trägt seinem Sohn auf, sich um seinen Nächsten zu kümmern. Wenn er viel besitzt, soll er großzügig sein, wenn er weniger zur Verfügung hat, nach diesem Maß – vielleicht anderes.

Mit seinen Ratschlägen bleibt der Vater dem jüdischen Doppelgebot der Liebe – der Liebe gegenüber Gott und der Liebe gegenüber dem Mitmenschen - verbunden und erwartet eine solche Lebenseinstellung auch von seinem Sohn. Dieses ist die Basis, auf der allein Leben gelingen kann; eine solche Lebenshaltung bringt Segen, so sieht es Tobit in seinem Vermächtnis an seinen Sohn.

Der Sohn ist an dieser Stelle herausgefordert eine eigene Antwort auf diese Worte seines Vaters zu finden. Er muss eine Haltung finden zum Vermächtnis seines Vaters.

Und ich denke, wir stehen heute an einem vergleichbaren Punkt. Auch wir sind aufgefordert uns zu den Worten des Vaters zu positionieren. Wie viel vermögen wir zu geben an jene, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, unseres Liebesdienstes bedürfen, damit Leben möglich wird respektive gelingen kann?

 

Ihre Andrea Grambeck

 

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