Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“

Manchmal habe ich Angst davor, in welcher Welt und in welcher Gesellschaft wir einmal ankommen werden, wenn altvertraute Worte verblassen oder sogar ganz verschwinden: Gnade. Demut. Barmherzigkeit... Manchmal fürchte ich, dass mit den alten Worten auch ihr Inhalt, ihre frühere Bedeutung für uns als Einzelne und unsere Gemeinschaft in Vergessenheit geraten könnte.

Es lohnte sich, die alten Worte von manch’ „Patina“ zu befreien, um dann den dauerhaft weiter wichtigen Gehalt jener Worte zu bergen – und in Richtung Zukunft zu ziehen. „Seid barmherzig, wie Euer Vater barmherzig ist“ sagt Jesus. Wo finde ich Hinweis auf das, was das alte Wort meint? Hat es was mit meinem Leben zu tun? Wo finde ich etwas von oder über Barmherzigkeit? Oder liegt dies Wort schon, sanft entschlummert, auf dem Friedhof der ausrangierten Worte?

Manchmal ist es hilfreich, ganz an den Anfang zurückzugehen und den Ursprung der Worte wieder neu zu ent-decken. In der hebräischen Bibel steht, wo wir im deutschen Text „Barmherzigkeit“ lesen, meist das Wort „rachamim“. Das weist in die Nähe von „rächäm“ zu deutsch: „Gebärmutter“ oder „Mutterschoß“.

Ein schönes Bild, um uns neu oder wieder einmal klarzumachen, was Barmherzigkeit meinen könnte: Ein ganz ursprüngliches und rundherum beschütztes Sein. Versorgt ist der Embryo im Bauch der Mutter mit allem, was er zum Leben und zum Wachstum braucht. Und das alles ohne Voroder Gegenleistung. Einfach so.

Genährt, gewollt, geliebt sein - so ist Dein Anfang hier gedacht. Was für ein guter, verheißungsvoller Beginn des Lebens! Vielleicht kommt das Beste gar nicht zum Schluss - sondern am Anfang. Wenn Du ins Leben gerufen wirst, schon bevor Du das Licht der Welt erblickst, umhüllt Dich eine sorgende Liebe. Eine Spezialform der Liebe, die eben auch „Barmherzigkeit“ genannt werden kann.

Vielleicht werden wir im neuen Jahr zu Virtuosen der Barmherzigkeit. Wenn wir uns berühren lassen von Bedürfnissen und Wünschen und den Sorgen Anderer, ohne unsere eigenen dabei je zu vergessen. Dabei helfe uns der barmherzige Vater, den auch Jesus als Quelle der Barmherzigkeit nennt.

Ich wünsche uns allen ein gesegnetes Jahr!

 

Ihr Pastor Tobias Götting

 

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