Monatsspruch Juni

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Hld 8,6

Ein Siegel, so würde ich als erstes assoziieren, macht etwas zu! Einen Brief, ein offizielles Dokument oder gar einen polizeilichen Tatort, der/das nicht von jedermann geöffnet werden darf. Kann unser Monatsspruch das meinen? Verschließe Dein Herz? Und was hat der Arm damit zu tun? Zugegeben, so ganz zugänglich ist unser Monatsspruch diesmal vielleicht nicht. Ich möchte anstoßen, darüber nachzudenken, sinnbildlich das Siegel zu brechen und eine mögliche Bedeutung dahinter für uns zu öffnen! Schauen wir in die Zeit der Entstehung des Liedes – und als Hoheslied ist es eindeutig als Liebesbekundung gedacht: Damals wurde ein Siegel nicht nur zum Verschließen von Schriftsachen genutzt.

Insbesondere ein Siegelring war bestimmt, um die Identität des Absenders klarzustellen: jeder, der sein Siegel auf etwas aufbrachte, verifizierte sich als Autor, identifizierte sich mit dem Inhalt. Somit ist das Siegel in jener Zeit der identitätsgebende Gegenstand, das persönlichste Merkmal eines Menschen.

Lege mich wie ein Siegel auf Dein Herz! Auf diese Weise komme ich Deinem Herzen so nahe es eben geht! Und lege ich mich wie ein Siegel auf Deinen Arm, so bin ich auch Deiner Kraft, Deiner Bewegung und damit Deiner Tat nah!

Es geht nicht um Status, Stellung oder andere Äußerlichkeiten. Es geht um die ureigene Identität: Geliebt werden um seiner selbst willen. Und solch eine Liebe ist stark! Stark wie eben nur noch der Tod. Das ist selten! Das erwischt einen ungeplant! Insbesondere in einer Zeit, wo Beziehungen vielleicht oft aus Sicherheit, auch finanzieller Sicherheit heraus eingegangen wurden – und ganz ehrlich: Ist das heute so viel anders?

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz! Das ist eine Bitte. Nicht ich bin aktiv, ich bitte mein geliebtes Gegenüber, es freiwillig selbst zu tun! Und darin schwingt sicher auch der Wunsch mit, dass meine Identität Dir reichen möge, dass Dein Herz damit verschlossen sei für fremde Reize. Ich denke, diesen Wunsch braucht es nicht: wer jemanden liebt, weil er die Person wundervoll findet, nicht deren Umfeld, der hat für sein Herz gefunden, wer es aus- und erfüllt. Da braucht es keinen Schlüssel und kein Siegel mehr. Die Erfüllung, einander im besten Wortsinn genug zu sein, reicht vollkommen aus!

 

Kirchengemeinderat Lars Eifler

 

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