Monatsspruch September

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.

Haggai 1, 6

Zunächst der geschichtliche Kontext zu dieser Textstelle: 587/586 v. Chr. wird der 1. Tempel bei der Eroberung Jerusalems durch die Neubabylonier zerstört. Das Volk muss in die babylonische Gefangenschaft gehen. Auch nach Jahren ihrer Rückkehr gibt es keinen Tempelneubau. Da tritt ca. 520 v. Chr. der Prophet Haggai auf mit einer Botschaft Gottes: Gott will, dass der Tempel wieder aufgebaut wird! Ohne ein Haus Gottes führt das Tun und Bemühen der Menschen zu Vergeblichkeit, Misserfolgen und Mangel (siehe Text). Trotz Anstrengungen fehlt es an nachhaltigem Satt- und innerem Warmwerden. Die Mahnungen des Propheten werden schließlich gehört. 515 v. Chr. wird der neue 2. Tempel eingeweiht.

Was hat dieser Text uns heute zu sagen? Ich möchte eine Verbindung zum Neuen Testament herstellen: „Oder wisset ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist …?“ (1. Korinther 6, 19) oder „Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1.Korinther 3, 16).

Unser Körper im übertragenen Sinn ein Tempel Gottes. Ein Tempel als der Ort, der für die Anwesenheit Gottes auf Erden steht, darf nicht brachliegen, sondern muss mit Leben gefüllt werden. Wie gehen wir mit uns um? Welche (innere) Nahrung und Pflege geben wir uns? Uns, als Haus Gottes?

Was macht uns nachhaltig satt? Wie füllen wir die Speisekammer unserer Seele? Was braucht meine Seele, tut ihr gut, pflegt sie, hält sie gesund? Was wärmt nicht nur unseren Körper, sondern auch unser Herz ? Konsum und Genuss scheinen für viele Menschen die neuen Götter zu sein, aber die Seele bleibt oft leer. Der gewünschte Befriedigungseffekt hält nur kurz an, verlangt schnell nach mehr. Natürlich dürfen wir genießen, uns an schönen Dingen, an Gekauftem erfreuen. Es geht nicht um miesepetrigen Verzicht, aber vielleicht um eine neue Konsumethik. In den aktuellen Zeiten der Pandemie müssen wir mit Einschränkungen umzugehen lernen, auf vieles verzichten. Und ich höre von vielen, dass sie plötzlich wieder spüren, was wirklich wichtig ist und vermisst wird: Kontakte, Nähe, Berührungen, Mitmenschlichkeit und Solidarität, herzliche, anerkennende Worte, Erleben von Natur, Gottesdienst...Ergänzen Sie diese Aufzählung gerne für sich.

 

Kirchengemeinderätin Angelika Trumpf

 

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