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Monatsspruch November

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Eine Anleitung zum Trauernden-Begleiter-Sein oder -Werden ist dieser Monatsspruch aus dem Buch des Propheten Jeremia. Der Vers macht uns Mut, es wie Gott zu machen – und zu Tröstenden zu werden.

Trauernde Menschen erzählen mir nicht selten, dass die Umgebung mit ihrer Traurigkeit nicht umgehen kann. Wir haben es vielleicht verlernt, der Trauer unter uns Raum zu geben und zu lassen. Manche Menschen wechseln die Straßenseite, aus Angst, etwas falsch zu machen, oder der ihnen begegnenden Traurigkeit eines trauernden Menschen nicht gewachsen zu sein.

Andere meinen es gut und schreiben: „Wenn wir irgend etwas tun können, melde Dich bitte!“ Meine Erfahrung aber ist, dass Trauernde von sich aus oft gar nicht die Kraft finden, um etwas zu bitten oder sich Hilfe zu holen.

Ich erinnere mich an einen Vater, der kurz vor Weihnachten bei einem tragischen Unfall seine Tochter verloren hatte. Kurz entschlossen besuchte ich ihn und hatte einen kostbaren Christstollen dabei. Wir sprachen, wir schwiegen, wir weinten. Und irgendwann holte ich den Stollen raus und wir machten uns einen Kaffee und aßen Stollen. Fast wie ein profanes Abendmahl war das. Er aß mit Lust und es tat ihm gut, das in Gemeinschaft zu tun. Tagelang hatte er das Essen fast vergessen. Später hat er mich im Scherz seinen „verfressenen Tröster“ genannt.

Trauerbegleiter zu sein, ist furchtbar schwer und schrecklich einfach. Vielleicht bedeutet es zunächst („Sie werden weinend kommen...“) keine Angst vor fremden Tränen zu haben. Und was bedeutet es, jemanden zu trösten? Wahrscheinlich braucht jede und jeder von uns ihren oder seinen eigenen Trost. Patentrezepte gibt es nicht. Keinen Ratgeber „Trösten richtig gemacht“. Aber das Wort trösten leitet sich schon rein sprachlich von treu sein ab. Ich werde jemanden trösten, wenn und indem ich ihm oder ihr treu bin. Eben nicht die Straßenseite wechsle, mich behutsam melde. Einen handgeschriebenen Brief schreibe.

Und manchmal kann Trauerbegleitung auch bedeuten, den anderen behutsam aber bestimmt zu leiten, ihm zur Leitplanke zu werden auf dem Weg in der Trauer und aus der Trauer heraus.

Kommen Sie alle gut durch diese novembrigen Tage!

Von Herzen grüßt Sie Ihr Pastor Tobias Götting

 

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