Ansgarspiegel

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Monatsspruch November

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Hiob 19.25

Manchmal kommt es Dir vor, als wäre das Leben nur novembergrau. Kein Lichtfunke erreicht dein Herz. Lastendes lähmt die Beine. Dann „kauerst Du still in einer Nische namens „Warum“ (Herbert Grönemeyer). Manchmal kommt es Dir vor, als gäbe es nur noch Hiobsbotschaften. Keine guten Nachrichten dringen an Dein Ohr. Alles scheint ohne Sinn. Und auch der Sinn hinter allem - der, den wir mit dem Namen Gott nennen - schweigt dazu.

Manchmal sagst Du Dir dann gegen allen Augenschein: „Aber am Ende wird doch alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Manchmal kann es helfen, mit den Worten weit über das Jetzt hinauszuspringen. Manchmal mag ein trotziges „Aber“ helfen.

Von Hiob wird erzählt, dass er an einem Tiefpunkt seines Lebens, als ihm alles genommen ist, was er einmal geliebt hat; als ihm die erst noch wunderbar seelsorglich stillen Freunde, die eben nicht mit ungebetenen Ratschlägen, die auch Schläge sein können, daherkamen, sondern die mit ihm geschwiegen und die Stille, die Rat-Losigkeit ausgehalten haben, als die nun auch noch anfangen, ihn zu bemeckern - an jenem Tiefpunkt seines Weges, da sagt er vollkommen unerwartet und unerhört sein trotzig-glaubensgewisses: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“.

Hiob spricht nicht von „glauben“, er sagt: „Ich weiß es.“ Es ist ein Höhenflug seiner Hoffnung - nicht beweisbar und ihm doch gewisser als alles, was er sehen, anfassen und begreifen kann.

Hiobsbotschaften kennen wir alle. Als die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, vor ein paar Wochen ihre Krebserkrankung öffentlich machte, setzte sie den Vers von Dietrich Bonhoeffer dazu: „‘Von guten Mächten wunderbar geborgen‘ - dieser Vers macht mir Mut.“ Wie gut, wenn Menschen den Hiobsbotschaften und der Angst etwas entgegenzusetzen haben. Wortwohnungen, die ihnen helfen, mit dem Schweren, mit dem Bitteren, mit allem, was novembergrau ist, zu leben. Und sich nicht von der Angst und der lähmenden Traurigkeit in die „Nische namens Warum“ zurückziehen. Der Glaube besteht auf seinem „Aber“. Es ist der Einspruch gegen den Tod, gegen das Novembergrau.

Wir werden nicht vor allem, a b e r in allem, was geschehen kann, bewahrt sein. Der menschliche Gott, der weiß, was Leben ist, der löst uns von der Sorge, der löst uns von der Angst, die Enge ist und Leben verhindert. Der er-lösende Gott zeigt uns ein Leben, das vom Vertrauen getragen ist. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“: Ja und Amen!

 

Ihre Andrea Grambeck

 

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