Ansgarspiegel

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Monatsspruch Februar

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Röm 8,18

Das ist so einer der Sätze, deren Verständnis vom Kontext abhängt, und, je nachdem, tröstlich oder zynisch ist.

Was ist dieser Zeit Leiden?, damit fängt es schon an, denn den einen geht es gut bis sehr gut und sie leiden gar nicht; und anderen geht es wirklich schlecht. Und auch da müsste man noch unterscheiden zwischen subjektiv empfundenen Leiden und dem, was man allgemein unter einer leidvollen Situation verstehen würde. Aber entscheidend ist immer die subjektive Wertung: Wer sagt: „Mir geht es schlecht!“, wird ungern hören: „Stell dich nicht so an!“; und helfen wird es ihm/ihr sowieso nicht.

Zynisch wäre der Satz, interpretierte ich ihn so: „Ich bin überzeugt, dass euer derzeitiges Leiden nicht ins Gewicht fallen wird gegenüber der Herrlichkeit, die an euch offenbar werden soll“, und wenn ich das z.B., um ein krasses Beispiel zu wählen, vom Hungertod bedrohten Menschen im Jemen entgegenlächelte. So verstanden, ist der Satz böse und grausam.

Wenn ich ihn aber auf mich beziehe - „Ich vertraue darauf, dass auf mein jetziges Leiden eine gute neue Zeit folgen wird“ -, dann ist das ein Satz der Hoffnung und Stärke: Ich nehme ehrlich wahr und gestehe mir ein, dass es mir zurzeit nicht gut geht (auch das ist wichtig!), aber ich schöpfe Kraft, auch Kraft zur Veränderung aus der Hoffnung, dass es auch wieder gut sein und werden kann, vielleicht sogar noch besser als vorher, denn ich vermute, wenn wir uns der Krisen in unserem Leben erinnern, werden wir oft sagen können: Im Nachhinein, wenigstens im Nachhinein, waren das Erfahrungen, an denen ich gewachsen bin.

 

Pastor Helge Martens

 

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