Ansgarspiegel

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Monatsspruch Mai

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.

2. Sam 7,22

Keiner ist wie Du! Das ist für mich in erster Linie eine Liebeserklärung. Eine Erklärung, in der das individuelle, das einzigartige hervorgehoben wird. Keiner ist wie Du, alle anderen sind anders! Im Umkehrschluss ist dieser Ausruf also ein Bekenntnis der Vielfalt: Gott hat uns zum Ebenbild geschaffen, und dennoch ist keiner wie er. Alle sind Individuen, alle sind einzigartig, die Menschheit ist bunt!

Gehen wir also diese beiden Schritte: aus dem Bekenntnis der Einzigartigkeit von Gott folgt die Vielfalt der Menschen. Und wenn wir das begreifen und akzeptieren, dann ist Andersartigkeit gewollt. Es gibt keinen Archetypen des Menschen. Es gibt kein Ideal. Es gibt auch im Internet nicht DIE Schönheit, der wir uns alle angleichen müssen, und keinen Übermenschen, den die neu erwachende Rechte zum Zielbild hat.

Wir sind viele, wir sind vielfältig. Unser aktueller Monatsspruch erinnert mich daran, wenn ich ihn nur konsequent weiterdenke. Dieses intime Bekenntnis zwischen König David und Gott ist nicht auf die zwei Positionen beschränkt. Es ist allgemeingültig, und ich verstehe es als einen Aufruf zur gegenseitigen Toleranz.

Im geschichtlichen Kontext geht es um ein Zwiegespräch – ein Gebet – von David mit Gott über den Bau des Tempels in Israel. In dem Zusammenhang steht auch der zweite Teil des Monatsspruches: Natürlich gibt es nur einen Gott! Das ist zunächst identitätsgebend wichtig, um sich als Israeliten von den Viel-Gott Religionen der Ägypter und später auch der Römer abzugrenzen.

Andererseits ist auch dieser Teil ein Bekenntnis zur Individualität. Gott ist nicht austauschbar. Und wenn ich Gott mit „Lebensspender“ kurz „Leben“ übersetze, das sich mir vielfältig zeigt, mit unterschiedlichsten Pflanzen, Tieren und eben Menschen, so schlägt sich die Brücke über beide Satzteile. So sehe ich in dem vollständigen Spruch – neben der offenkundigen Lobpreisung Gottes – den ganz irdischen Aufruf, jeden Einzelnen als gottgewolltes Individuum zu sehen. Einen Aufruf, Toleranz zu leben und jedem Menschen seine Chance zu geben!

 

Ihr Kirchengemeinderat Lars Eifler

 

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